
Die Akademisierung der Osteopathie wird kontrovers diskutiert, obwohl der „akademische Wettlauf“ längst begonnen hat und diverse Schulen in Kooperation mit privaten Hochschulen akademische Titel anbieten. So interessant es auch erscheinen mag, sich der Osteopathie auf akademischen Wege wissenschaftlich zu nähern und den Absolventen einer osteopathischen Aus- oder Weiterbildung einen international anerkannten akademischen Grad zu ermöglichen, gilt es, sensibel vorzugehen. Auch hier muss Qualität vor Quantität gehen. Um einen grundständigen Studiengang „Osteopathie“ implementieren zu können, bedarf es nicht nur eines gut strukturierten Curriculums, sondern viel wichtiger, auch einer nachhaltigen finanziellen Ausstattung eines entsprechenden Studienganges und dies in einer Größenordnung, die von einzelnen Schulen oder Verbänden alleine kaum zu bewerkstelligen ist. Wenn also ein ehrliches Interesse an einer Akademisierung besteht, dann müssen sich idealerweise alle osteopathischen Interessensvertreter zusammenfinden, um einen grundständigen Studiengang „Osteopathie“ an einer privaten Hochschule oder privaten Universität zu finanzieren und zu implementieren.
Die Frage der Finanzen betrifft natürlich auch die Schüler bzw. Studenten sowie die Schulen selbst. Welcher Osteopathieschüler kann sich eine privat gezahlte osteopathische Fortbildung leisten, um anschließend noch mehrere Semester an einer privaten Hochschule zu studieren? Was wären die Osteopathieschulen ggf. bereit von ihrem Fortbildungscurriculum an private Hochschulen abzugeben? Und wohin würde eine Akademisierung der Osteopathie in letzter Konsequenz führen, was bliebe also den Schulen, wenn Osteopathie zu einem Hochschulfach würde?
Zudem darf nicht vergessen werden, dass nach derzeitiger Rechtslage der Absolvent eines solchen Studienganges zwar den akademischen Grad Bachelor bzw. Master erwerben würde, die Ausübung der Osteopathie jedoch anderen Regeln unterworfen ist, die außerhalb der Zuständigkeit einer Hochschule angesiedelt sind.
Der bvo (vormals DROM) befürwortet derzeit eine Akademisierung nur unter der Prämisse eines Primärkontaktes und im Schulterschluss mit anderen osteopathischen Institutionen.